Umschlagverfahren Entsorgungslogistik

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In der Entsorgungslogistik müssen Reststoffe von dem Ort, an dem sie entstehen, zu dem Ort, an dem sie entsorgt (Weiterverwendung in irgendeiner Form oder endgültige Entsorgung) werden, gelangen. Dabei werden Aufbewahrungs- und Transportmittel eingesetzt. Da i.d.R. nicht ein Mittel für den ganzen Entsorgungsprozess eingesetzt wird, erfolgen zwischen diesen Mitteln sogenannte Umschlagprozesse, also das Überführen der zu befördernen Stoffe von einem Mittel ins andere, statt. Im Folgenden sollen verschiedene Umschlagverfahren vorgestellt werden. Dabei gilt zu beachten, dass diese Verfahren häufig als Sammelverfahren bezeichnet werden. Sie sind aber mit einem Umschlagsprozess verbunden. Auch wenn Umschlagprozesse während der Entsorgung so gut wie unumgänglich sind, sollte ihre Anzahl doch so klein wie möglich gehalten werden. So werden die beim Umschlag anfallenden Kosten reduziert ebenso wie die Gefahr, dass Abfälle an die Umwelt abgegeben werden.

Inhaltsverzeichnis

Umleerverfahren

Bei diesem Verfahren werden volle Sammelbehälter in Sammelfahrzeuge entleert. Danach werden die nun leeren Behälter wieder zurückgestellt und können wieder zum Sammeln benutzt werden. Das Umfüllen erfolgt mechanisch mit Hub- und Kippvorrichtungen. Die Sammelbehälter müssen dabei genormt sein, damit das Umfüllen reibungslos funktionieren kann. Die Sammelfahrzeuge können über weitere technische Einrichtungen wie bspw. eine Pressvorrichtung zum Verdichten des Abfalls verfügen. Die Sammelfahrzeuge entleeren viele Sammelbehälter auf einer festgelegten Route und transportieren den Abfall dann zur Entsorgungsanlage. Meist gibt es verschiedene Sammelbehälter, die jeweils für eine bestimmte Abfallart gedacht sind. Dies erleichtert die anschliessende verwertung in der Entsorungsanlage. Das wohl bekannteste Beispiel für dieses Verfahren ist das Entleeren der Mülltonnen in privaten Haushalten (mit den verschiedenfarbigen Tonnen).

Wechselverfahren

Beim Wechselverfahren werden gefüllte Sammelbehälter im Unterschied zum Umleerverfahren nicht von Sammelfahrzeugen entleert, sondern von den Sammelfahrzeugen mitgenommen und durch leere Behälter ersetzt. Nach dem Transport zur Entsorgungsanlage und der Entleerung werden die nun leeren Sammelbehälter an andere als die ursprünglichen Standorte transportiert. Es ist auch möglich, dass volle Sammelbehälter zunächst nicht durch leere ersetzt werden und nach der Entleerung in der Entsorgungsanlage wieder an ihren alten Standort zurückgebracht werden. Dieser Fall wird als "Direkttransport" bezeichnet und kann verschiedene Gründe haben. So können die Sammelbehälter unterschiedliche Formen und Größen haben und nicht so einfach ausgetauscht werden oder die Entleerung erfolgt nicht nach eine festen Plan. Das Wechselverfahren wird eingesetzt, wenn die Entleerung durch Sammelfahrzeuge nicht so einfach zu realisieren ist, wenn der Abfall also z.B. durch seine hohe Dicht nicht durch einfache Hub- und Kippvorrichtungen vollständig aus den Sammelbehältern entfernt werden kann. Auch beim Wechselverfahrn können unterschiedliche Sammelbehälter für verschiedene Abfallarten eingesetzt werden.

Einwegverfahren

Bei diesem Verfahren werden Abfälle nicht in Behältern, sondern Säcken aus Papier oder Kunststoff gesammelt. Diese Säcke werden dann auf Sammelfahrzeuge aufgeladen und zu Entsorgungseinrichtungen transportiert. Das Aufladen erfolgt meist ohne technische Hilfsmittel.
Vorteile dieses Verfahrens:

  • Verkürzung des Sammelvorgangs, da keine leeren Sammelbehälter für den Standort gestellt werden müssen.
  • Flexible Größe der Abfallmengen. Die Säcke sind bilig in der Anschaffung und man ist somit nicht an ein bestimmtes Volumen wie bei einem Sammelbehälter gebunden.

Nachteile dieses Verfahrens:

  • Belastung des Sammelpersonals, da das Aufladen auf Sammelfahrzeuge per Hand realisiert wird.
  • Damit zusammenhängend ist die Kapazität der Säcke begrenzt. Sie sind sowieso nicht so stabil wie Sammelbehälter und müssen zudem leicht genug sein, um sie per Hand zu transportieren.
  • Erhöhung der Abfallmenge. Im Gegensatz zu Smmelbehältern werden Säcke nicht wiederverwendet, sondern mit entsorgt. Je nach Gewicht und Fassugsvolumen der (leeren) Säcke erhöht sich dadurch die Abfallmenge um einige Prozent.

Trotz der recht erheblichen Nachteile wird dieses Verfahren doch eingesetzt. Dies kann z.B. auf einmaligen/seltenen Veranstaltungen passieren, für die keine ausgeklügelte Entsorgungsinfrastruktur installiert wurde oder generell zu Zeiten mit erhöhtem Abfallaufkommen, in denen also die Kapazität von Smmelbehältern überschritten wird. Dieses Verfahren wird aber auch in Kombination mit anderen Verfahren wie dem Umleerverfahren eingesetzt. Dann werden die Säcke nicht direkt auf Sammelfahrzeuge, sondern zuerst in Sammelbehältern gesammelt, etwa in Containern auf Großveranstaltungen oder in Abfalltonnen beim Hausmüll.

Systemlose Sammlung

Mit systemloser Sammlung ist die Sammlung von Abfällen unterschiedlicher Art in einem offenem Behälter gemeint. Dieses Verfahren wird heutzutage in Unternehmen (zumindest bei regelmäßig anfallenden Abfällen) i.d.R. nicht mehr eingesetzt. Es findet z.B. bei besonders großen Abfallteilen, die in normalen Abfallbehältern keinen Platz hätten, Anwendung. Der Transport zur Entsorgungsanlage erfolgt meist über Sammelfahrzeuge mit offener Ladefläche (Stichwort Sperrmüll).

Sonderverfahren

Als Sonderverfahren ist z.B. die Absaugung zu benennen, bei der Abfälle mittels Luftdruck gesammelt und transportiert werden. Für dieses Verfahren gibt es zumindest in Deutschland kaum Anwendungsfälle und es kann genau genommen auch nicht als Umschlagverfahren bezeichnet werden, da das Umladen auf ein Transportfahrzeug, also der Umschlag, entfällt.

Literatur

  • Bilitewski, B. / Härdtle, G. / Marek, K. (2000): Abfallwirtschaft: Handbuch für Praxis und Lehre, Berlin.
  • Schulte, C. (2008): Logistik - Wege zur Optimierung der Supply Chain, München.
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